Diese Leseprobe führt tiefer in die physiologischen Zusammenhänge zwischen Jod, Selen und der Schilddrüsenfunktion ein — ergänzt um Tabellen, Referenzwerte und die drei zugelassenen EU-Angaben.
Kaum ein Organ beeinflusst so viele Körperfunktionen gleichzeitig wie die Schilddrüse. Über ihre Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) nimmt sie Einfluss auf den Grundumsatz, die Körpertemperatur, das Herz-Kreislauf-System und die Entwicklung des Gehirns bereits vor der Geburt.
Damit dieser Regelkreis funktioniert, sind zwei Spurenelemente von Bedeutung als Ausgangsstoff beziehungsweise Werkzeug: Jod liefert den eigentlichen Baustein der Hormone, während Selen als Teil bestimmter Enzyme an ihrer Aktivierung mitwirkt. Beide Rollen werden in den folgenden Abschnitten getrennt betrachtet.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu beiden Mineralien bewertet. Die daraus abgeleiteten, von der EU-Kommission zugelassenen Angaben bilden das Gerüst dieses Leitfadens.
„Jod trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Jodid, die im Körper vorkommende Form von Jod, wird im Dünndarm resorbiert und über den Blutkreislauf zur Schilddrüse transportiert. Dort sorgt der Natrium-Jodid-Symporter (NIS) für die aktive Aufnahme in die Schilddrüsenzellen — ein energieabhängiger Vorgang, bei dem die Jodkonzentration in der Zelle deutlich über der im Blut liegt.
Im Inneren der Zelle wird Jodid oxidiert und an Tyrosinreste des Proteins Thyreoglobulin gebunden. Aus der Kopplung zweier jodierter Tyrosinreste entstehen die fertigen Hormone T4 und T3, die anschließend aus dem Thyreoglobulin herausgelöst und ins Blut abgegeben werden.
Der Jodgehalt von Lebensmitteln hängt stark vom Jodgehalt des jeweiligen Bodens beziehungsweise Wassers ab. Folgende Quellen liefern nennenswerte Mengen:
| Lebensmittel | Jodgehalt (ca. pro 100 g) |
|---|---|
| Seelachs | 200–250 µg |
| Jodiertes Speisesalz | 15–25 µg (pro g) |
| Milch und Milchprodukte | 10–30 µg |
| Eier | 10–15 µg |
| Algen (stark schwankend) | bis zu mehreren tausend µg |
Aufgrund der stark schwankenden Jodwerte in Algenprodukten wird von einem regelmäßigen Verzehr größerer Mengen häufig abgeraten — eine Überversorgung kann die Schilddrüsenfunktion ebenso beeinträchtigen wie eine Unterversorgung.
„Selen trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Das von der Schilddrüse in größerer Menge freigesetzte T4 entfaltet erst nach Umwandlung in T3 seine volle Wirkung in den Zielgeweben. Diese Umwandlung erfolgt über Dejodase-Enzyme, die ein Jodatom vom T4-Molekül abspalten. Das aktive Zentrum dieser Enzyme enthält Selenocystein, eine Aminosäure, die anstelle von Schwefel Selen im Molekül trägt.
Neben der Hormonaktivierung ist Selen über Enzyme der Glutathionperoxidase-Familie auch an der Reduktion von oxidativem Stress in der Schilddrüse beteiligt, der bei der Hormonproduktion als Nebenprodukt entsteht.
Der Selengehalt in Lebensmitteln variiert stark je nach Selengehalt des Anbaubodens. Folgende Quellen gelten als besonders selenreich:
| Lebensmittel | Selengehalt (ca. pro 100 g) |
|---|---|
| Paranüsse | bis zu 1900 µg |
| Thunfisch | 80–100 µg |
| Eier | 25–30 µg |
| Vollkornbrot | 15–25 µg |
| Linsen (gekocht) | 5–8 µg |
Bereits vor der Geburt sind Schilddrüsenhormone an der Reifung des Nervensystems beteiligt — ein Zeitfenster, in dem eine ausreichende mütterliche Jodversorgung besonders relevant ist. Auch nach der Geburt bleiben die Hormone für die neuronale Signalübertragung von Bedeutung.
Da Jod die Voraussetzung für die Bildung dieser Hormone darstellt, hat die EU-Kommission neben der Angabe zur Schilddrüsenfunktion eine zweite, eigenständige Angabe zur kognitiven Funktion zugelassen. Diese bezieht sich ausschließlich auf Jod — für Selen liegt in diesem Zusammenhang keine entsprechende Zulassung vor.
„Jod trägt zu einer normalen kognitiven Funktion bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
„Jod trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
„Selen trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
„Jod trägt zu einer normalen kognitiven Funktion bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Beide Angaben hängen ursächlich zusammen: Die kognitive Funktion beruht auf Schilddrüsenhormonen, deren Bildung wiederum Jod voraussetzt. Da es sich um zwei separat geprüfte und zugelassene Wirkzusammenhänge handelt, weist Magnetitpfad beide Angaben einzeln aus.
Bei üblichen, an den Referenzwerten orientierten Mengen gilt die gleichzeitige Zufuhr von Jod und Selen üblicherweise als unproblematisch. Bei bestehenden Schilddrüsenerkrankungen kann eine individuelle Absprache mit ärztlichem Fachpersonal sinnvoll sein, insbesondere bevor Nahrungsergänzungsmittel hinzugenommen werden.
Jod findet sich vor allem in Meeresfisch, jodiertem Speisesalz und Milchprodukten, während Selen insbesondere in Paranüssen, Fisch und Vollkornprodukten vorkommt. Eine abwechslungsreiche Ernährung deckt bei den meisten Erwachsenen einen Großteil des Bedarfs beider Mineralien ab.
Der Zusatz „normal“ beschreibt die physiologisch ordnungsgemäße Funktion bei ausreichender Versorgung mit dem jeweiligen Mineral. Er beschreibt keine darüber hinausgehende Leistungssteigerung und ist nicht mit einer therapeutischen Wirkung gleichzusetzen.
Der gesamte Leitfaden mit Tabellen, Hintergrundwissen und den drei zugelassenen Angaben zu Jod und Selen in ausführlicher Form.
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